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Sicherheit im Auto: Diese Techniken kommen bald

Februar 2014, © autohaus24

Mehr als 1,2 Millionen Verkehrstote weltweit gab es im Jahr 2010 laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Damit sind Unfälle im Straßenverkehr die achthäufigste Todesursache weltweit. Im Schnitt sind neun von zehn dieser Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Nur ein Zehntel wird durch technische Fehler verursacht.

 

Die Autoindustrie reagiert: Stetig wird die Palette der Sicherheits- und Assistenzsysteme im Auto erweitert. Gleichermaßen sollen Fahrer entlastet und damit menschliches Fehlverhalten minimieren werden. Technische Hilfen überwachen heutzutage die Fahrer, erinnern sie akustisch und visuell und können sogar Bremsvorgänge einleiten. Hier kommen einige der bemerkenswertesten technischen Neuerungen, die die Autohersteller für die bessere Sicherheit auf den Straßen in naher Zukunft auf den Markt bringen werden.


Kollisionsvermeidung mit Ausweichassistent

 

BMW plant einen Ausweichassistenten, der zwischen 2015 und 2017 auf den Markt kommen soll. Assistenzsysteme, die eine Bremsung des Fahrzeuges vorbereiten existieren bereits. Die Entwicklung geht nun dahin, dass nicht nur die Bremsen aktiviert werden können, sondern auch das Lenkrad bewegt wird.

Der Ausweichassistent: Kollisionsvermeidung durch Eingriff in die Lenkung
Der Ausweichassistent: Kollisionsvermeidung durch Eingriff in die Lenkung

Damit der Assistent im Notfall gegensteuern kann, müsste das sogenannte „Steer-by-wire“ System verbaut sein. Das ist eine Lenkung, bei der das Lenkrad nicht mehr mechanisch mit den Vorderrädern verbunden ist – dieses System ist gegenwärtig nicht zulässig. Die Umsetzung eines Ausweichassistenten, der autonom in die Steuerung eingreift, steht zum jetzigen Zeitpunkt also noch vor einigen technischen und auch rechtlichen Hürden. Wenn die Elektronik die falsche Entscheidung trifft, muss die Frage der Haftung geklärt werden. Die Wiener Straßenverkehrskonvention besagt weiterhin, dass „der Fahrzeugführer jederzeit in der Lage sein muss, die ihm obliegenden Fahrbewegungen auszuführen“.

 

Kollisionswarner via Mobiltelefon

Passanten und Radfahrer werden ohne Sichtkontakt per Handy und Funkverbindung geortet.
Passanten und Radfahrer werden ohne Sichtkontakt per Handy und Funkverbindung geortet.

Brandneu ist ein Verfahren, an dem die TU München arbeitet: Fahrassistenzsysteme sollen in der Lage sein, Radfahrer und Fußgänger zu orten, selbst wenn diese von einem Hindernis verdeckt werden. Dies soll mittels Mobiltelefon funktionieren. Das fungiert als Transponder, mit dem der Sicherheits-Assistent des Fahrzeugs per Funk verbunden ist. Auf diese Weise können Personen auch hinter einem parkenden Wagen oder in einer Seitenstraße erfasst werden. Innerhalb weniger Millionstel Sekunden ist eine zentimetergenaue Ortung per Funk möglich.

 

Weiterhin hat der Autozulieferer Harmann eine App für Smartphones entwickelt, die mittels Handykamera erkennt, ob das Fahrzeug die Fahrspur hält. Via Bluetooth kann man die Daten sogar auf die Datenbrille Google Glass übertragen.

 

Automatischer Notruf bei Unfall: eCall

Der Einsatz von Fahrassistenzsystemen soll zur Unfallvermeidung beitragen.
Der Einsatz von Fahrassistenzsystemen soll zur Unfallvermeidung beitragen.

Ab Oktober 2015 sollen alle Fahrzeuge in Europa verpflichtend mit dem eCall („emergency call“)-System ausgestattet sein, die endgültige Abstimmung der EU-Abgeordneten ist für den 26. Februar 2014 geplant. Bei einem Unfall alarmiert das System automatisch den Rettungsdienst, ortet das Fahrzeug und kommuniziert diese Daten an die Rettungsstelle. eCall funktioniert mithilfe von GPS und Crash-Sensoren.

 

Diese Fahr-Assistenten gibt es bereits

Hände weg! Fahrt in der S-Klasse mit „Intelligent Drive“.
Hände weg! Fahrt in der S-Klasse mit „Intelligent Drive“.

Die Elektronische Stabilitätskontrolle (ESP) sorgt dafür, dass ein Fahrzeug nicht aus der Spur bricht und muss seit dem 1. November 2011 in allen Neuwagen integriert sein, der Spurwechselassistent warnt vor Zusammenstößen bei Überholmanövern, das sogenannte Front Assist von Volkswagen unterstützt den Fahrer wiederum mithilfe von Radarsensoren Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und eine Notbremsung einzuleiten. Und die Adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) regelt den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Selbst gegen Sekundenschlaf am Steuer gibt es einen Müdigkeitswarner per Akustik- oder Vibrationssignal.

 

Rund 2.800 Geisterfahrten soll es jährlich in Deutschland geben. Auf diesem Gebiet hat Mercedes-Benz Pionierarbeit geleistet: Der Verkehrszeichen-Assistent soll Autofahrer warnen, wenn sie die falsche Autobahnauffahrt wählen. Dies geschieht über eine Kamera an der Frontscheibe. Diese identifiziert Verkehrsschilder, erkennt demzufolge Verbotsschilder und sendet dem Fahrer dann akustische und visuelle Warnsignale. Dieses Assistenzsystem ist bereits für die E-Klasse verfügbar und wird ebenso in der neuen S-Klasse erhältlich sein. Das System arbeitet mit dem Infotainment-Netzwerk-System COMAND Online, das für die Vernetzung von Mercedes-Modellen mit der Online-Welt entwickelt wurde.