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BGH-Urteil: Versicherungen müssen auch teure Reparaturkosten für Autos ersetzen

Die Reparatur in Markenwerkstätten müssen Versicherungen nach aktuellem BGH-Urteil unter Umständen erstatten.
Die Reparatur in Markenwerkstätten müssen Versicherungen nach aktuellem BGH-Urteil unter Umständen erstatten.

November 2015, © autohaus24

Der Bundesgerichtshof hat in einem aktuellen Urteil festgelegt, dass sich Autofahrer die Kosten für eine Unfallreparatur in einer teuren Markenwerkstatt unter bestimmten Voraussetzungen erstatten lassen können. Mit diesem Urteil soll verhindert werden, dass Versicherungen bei Erstattungsfragen grundsätzlich von den Preisen billiger Werkstätten ausgehen können. Im konkreten Fall hatte ein Mercedes-Fahrer seine Vollkaskoversicherung verklagt, da diese die Höhe der gutachterlich geschätzten Unfallreparaturkosten nicht erstatten wollte. Zwar hatte das Landgericht die Klage noch abgewiesen, vor dem Bundesgerichthof wurde dem Fahrer aber Recht gegeben. Mit dem Urteil wurde ein Etappensieg zugunsten der Autoversicherten erzielt.

 

Nach BGH-Urteil: Erstattung auch von hohen Reparaturkosten

 

Der Mercedes-Fahrer hatte im aktuellen Fall nach einem selbstverursachten Unfall geklagt, da die Kfz-Versicherung lediglich zwei Drittel der geschätzten Reparaturkosten übernehmen wollte. Die Versicherung argumentierte, dass die notwendigen Reparaturen zu einem deutlich niedrigeren Preis in einer freien Werkstatt auszuführen wären. Der Kläger wollte die Reparaturen jedoch in einer kostspieligen Mercedes-Fachwerkstatt ausführen lassen. Der Fahrer hat nun durch das BGH-Urteil Recht bekommen: Die aktuelle Rechtsprechung sieht vor, dass Kfz-Versicherungen die Reparaturkosten eines Unfallwagens auch in einer Markenwerkstatt ersetzen müssen. Allerdings ist der Anspruch der Kostenerstattung an gewisse Voraussetzungen gebunden. Versicherte haben nach dem BGH-Urteil dann Anspruch auf einen höheren Erstattungsbeitrag, wenn es sich bei dem Fahrzeug um ein neueres Modell handelt. Zusätzlich gilt der Anspruch nur, wenn der Wagen bisher immer in Markenwerkstätten repariert worden ist und sich weiterhin auch nur dort fachgerecht reparieren lässt.

 

Alternative zur Unfallreparatur: Neuwagenkauf

 

Zwar ist das Urteil für Autoversicherte ein Vorteil, der Versicherte muss im Einzelfall jedoch beweisen können, ob eine der Voraussetzungen des BGH-Urteils erfüllt ist. Das lässt sich beispielsweise mit einem Wartungscheckheft lösen. Auch im aktuellen Präzedenzfall muss das Landgericht zunächst noch prüfen, ob die vom BGH festgelegten Voraussetzungen vorliegen. Übrigens: Will ein Fahrzeugbesitzer seinen durch Unfall beschädigten Wagen nicht mehr reparieren lassen, kann er sich stattdessen die Reparaturkosten auszahlen lassen. Der Wert der fiktiven Reparaturkosten wird durch die Schätzung eines Gutachters übernommen. Nach dem aktuellen BGH-Urteil, dürfen die Versicherungen grundsätzlich nicht mehr von den Preisen billiger Werkstätten ausgehen. Wer also die Voraussetzung für die genannten Ansprüche erfüllt, bekommt nun mehr Geld für den Kauf eines Neuwagens erstattet.