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Nokia Here: Autobauer kaufen Kartendienst für Milliardenbetrag

Der Navigationsdienst Nokia Here soll eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge spielen.
Der Navigationsdienst Nokia Here soll eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge spielen.

August 2015, © autohaus24

Bald wechselt der Kartendienst Nokia Here seinen Besitzer: In einer seltenen Kooperation investierten die drei deutschen Autohersteller Audi, BMW und Daimler gemeinsam 2,8 Milliarden Euro in das Navigations- und Kartensystem. Nokia Here ist zusammen mit der Google-Software Android Auto und Apples Carplay eine der drei am weitesten verbreiteten Software-Lösungen für den Bordcomputer eines Fahrzeugs. Wie die großen Konkurrenten stellt das Tochterunternehmen Nokia Here primär Online-Kartendienste und Navigationssoftware zur Verfügung, die sowohl auf Smartphones wie auch in modernen Bordcomputern zum Einsatz kommen. Darüber hinaus dient Nokia Here im Auto auch als Plattform zur Wiedergabe unterschiedlicher Medienformate. Laut Angaben des Herstellers kommt Nokia Here derzeit auf über einer Milliarde Navigationsgeräten und Smartphones zum Einsatz.


Deal soll Entwicklung autonomer Fahrzeuge voranbringen

 

Audi, BMW und Daimler warten noch auf die Zustimmung der Kartellbehörden zum Kauf; im ersten Quartal des Jahres 2016 soll die Transaktion abgeschlossen sein. Der Kauf von Nokia Here wird von Branchenkennern als strategischer Vorstoß der drei deutschen Automobilriesen gewertet. Die betriebssystemunabhängige Software stellt eine Alternative zu teuren Eigenentwicklungen wie auch zu Google und Apple dar. Der Wert von Nokia Here liegt vor allem in der immensen Datenmenge, die mit der Nokia-Kartensparte einhergeht. Das gut ausgebaute Navigationssystem verfügt über Kartenmaterial für rund 200 Länder: Satellitenbilder, Straßen- und Geländedaten, selbst Informationen zu ÖPNV-Haltestellen stehen zur Verfügung. Für die Entwicklung und den Test selbstfahrender Autos sind die Daten unverzichtbar. Als Baustein für die Zukunftsmobilität bezeichnete der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Dieter Zetsche, das präzise digitale Kartenmaterial. Für BMW-Chef Harald Krüger werde Nokia Here eine „Schlüsselrolle“ in der weiteren Entwicklung der Mobilität spielen und die Kombination von Fahrzeug-Daten und Here-Karten das Autofahren in Zukunft einfacher und sicherer machen.

 

Nokia Here soll als Smartphone-App erhalten bleiben

 

Der Kauf von Nokia Here soll keine Auswirkung auf die kostenlose Verfügbarkeit der Software haben; derzeit ist die Navigations-App unter anderem für iOS, Windows Phone und Android erhältlich. Laut Pressemitteilung wollen die drei Automobilhersteller Nokia Here als unabhängige und offene Plattform für Mobilitätsdienste bewahren und weiterentwickeln. Der Dienst steht damit in direkter Konkurrenz zu den entsprechenden Angeboten der beiden Branchenriesen Apple und Google. Laut Matthias Machnig, Wirtschafts-Staatssekretär, werde mit dem Kauf des Kartendienstes durch die drei deutschen Autohersteller die ganze „automobile Wertschöpfungskette“ in Deutschland gestärkt. Die Unternehmenssparte Nokia Here beschäftigt über 6000 Mitarbeiter, hauptsächlich in der Bundeshauptstadt.