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Selbstfahrende Autos: Gehackt mit einem Laserpointer

September 2015, © autohaus24

Selbstfahrende Autos sind derzeit der Traum der Automobilindustrie: Alle großen Fahrzeughersteller arbeiten am technologischen Fortschritt, und manch externe Konkurrenz – Stichwort Google – pirscht in der Zukunftstechnologie voran. Gerade in diesem Zusammenhang alarmiert ein Experiment des Sicherheitsexperten Jonathan Petit. Dem Wissenschaftler ist es gelungen, mittels eines einfachen Laserpointers und etwas Know-how die Sensoren von selbstfahrenden Autos zu verwirren: Mit Technik im Wert von etwa 50 Euro konnte er selbstfahrenden Autos nichtvorhandene Objekte vorgaukeln und die Umgebungssensoren so täuschen, dass sie entgegenkommende Fahrzeuge, Mauern oder auch Fußgänger registrierten, die gar nicht existierten.

 

Petit: Sensorelektronik ist Schwachstelle der selbstfahrenden Autos

 

Das Anliegen des Wissenschaftlers war es, die Schwachstellen von selbstfahrenden Autos auszutesten. Sein Ansatzpunkt: das sogenannte Lidar-System – eine lasergestützte Technologie, die in einigen selbstfahrenden Autos dazu genutzt wird, die Umgebung abzutasten und ein 3D-Bild von ihr zu erstellen. Für seinen Hack nahm Jonathan Petit die Laserimpulse auf, die eine handelsübliche Lidar-Einheit ausstrahlt. Anschließend spielte er sie mit einer Pulskontrolle und einem Laserpointer ab, und richtete das Laser-Signal auf ein selbstfahrendes Auto. Das Ergebnis: Die Sensoren nahmen ein Hindernis wahr und brachten das selbstfahrende Auto zum Bremsen. Petit gelang es, das simulierte Hindernis in einer Entfernung von etwa 20 bis 350 Meter vom gehackten selbstfahrenden Auto erscheinen zu lassen. Auch sei es möglich gewesen, Kopien der inexistenten Hindernisse in beliebiger Anzahl zu erzeugen und den Computer selbstfahrender Autos so zu überlasten. Möglich war der experimentelle Angriff, da die vom Lidar-System ausgestrahlten Signale nicht verschlüsselt sind und so beliebig aufgezeichnet und abgespielt werden können.

 

Selbstfahrende Autos: Offene Fragen an die Technologie und die Gesellschaft

Bei selbstfahrenden Autos wird oftmals ein Lidar-Sensor verwendet. Aber auch Radartechnologie und Ultraschall-Sensoren kommen zum Einsatz.
Bei selbstfahrenden Autos wird oftmals ein Lidar-Sensor verwendet. Aber auch Radartechnologie und Ultraschall-Sensoren kommen zum Einsatz.

Nicht alle selbstfahrenden Autos arbeiten mit Lidar-Sensoren. Manche Hersteller, beispielsweise Mercedes im Konzeptauto F 015, setzen in ihren Studien zu selbstfahrenden Autos auf Radartechnologie und Ultraschall-Sensoren, die diese Anfälligkeit nicht besitzen. Petits Hack macht aufmerksam auf eine Schwachstelle des Lidar-Systems, die Hersteller schnell und wirkungsvoll schließen können. Er verweist aber auch auf die offenen Fragen, die selbstfahrende Autos an die Gesellschaft stellen. Laut Expertenmeinung werden diese in den kommenden Jahren noch viel dringlicher: Im Zentrum steht die Frage, wer die Verantwortung für die Entscheidungen selbstfahrender Autos übernehmen wird – die Insassen, die Ingenieure, der Hersteller? Die meisten Technologien für das selbstfahrende Auto sind schon heute verfügbar und werden von den Hersteller für teilautonome Systeme bereits in Mittelklasse-Limousinen oder SUVs verbaut, ebenso sind moderne Neuwagen heute schon zumeist vernetzte Autos. Noch liegt alle Verantwortung und Entscheidungsgewalt beim Fahrer, der von den Assistenzsystemen in Gefahr- oder Übermüdungssituationen profitiert. Der Schritt zu vollautonom selbstfahrenden Auto wird laut Expertenmeinung in den kommenden 10 bis 20 Jahren stattfinden.