Ratgeber

Automatik oder Schaltgetriebe

Das S-Tronic im Audi A1.
Das S-Tronic im Audi A1.

Dezember 2013, © autohaus24

Die Frage nach Vollautomatik oder Schaltgetriebe ließ sich lange Zeit problemlos beantworten: Nur mit Schaltung war es möglich, die volle Leistung bei geringstem Verbrauch zu erreichen. Handschaltung galt zudem für viele als Garant für sportliches Fahren. Automatikgetriebe hatten besonders in Deutschland lange Zeit den Ruf langsam und verbrauchssteigernd zu sein, von Sportlichkeit und Freude am Fahren fehlte jede Spur. Zudem haftete Automatikfahrern oft das Vorurteil an, sie könnten nicht richtig fahren. Automatik oder Schaltgetriebe? Diesel oder Benziner? – Das sind noch immer aktuelle Fragen, die sich nicht auf Anhieb beantworten lassen. Spätestens mit Einführung der ersten Automatik-Variationen in der Formel-1 war jedoch klar: die Vorteile Automatikgetriebe sind auf dem Vormarsch.

 

Welche Vorteile bietet ein Automatikgetriebe?

 

Die klassische Handschaltung wird vermehrt durch automatische Getriebe ersetzt. Der Grund: Sie sind schneller und sparsamer. Jahrzehntelang mussten Fahrer von Automatikautos tiefer in die Taschen greifen als Fahrer von Schaltwagen. Ob der teurere Anschaffungspreis oder der höhere Spritverbrauch – vieles sprach gegen die Anschaffung eines Automatikwagens. Mittlerweile ist die Technik so weiterentwickelt worden und die Trendwende vollzogen: Heutzutage ist die Beschleunigung dank Automatikgetriebe viel besser als Fahrzeugmodelle gleicher Motorisierung mit Handschaltung. Hinzu kommt der geringere Kraftstoffverbrauch dank Automatik. Die Zeiten, in denen Automatikgetriebe zu höherem Kraftstoffverbrauch führten, sind lange vorbei. Dank moderner Steuerungen liegt der Verbrauch bei Automatik fast immer im Idealbereich, der mit Schaltgetrieben nur zu erreichen ist, wenn höchste Disziplin beim Fahren angewendet wird. Eine Acht- oder Neun-Gang-Automatik lässt den Motor mit sehr niedrigen Drehzahlen arbeiten. Der Verbrauch und CO2-Ausstoß sinkt, der Komfort steigt. Durch die Vorteile, vor allem im Stop-and-go-Verkehr, gewinnt das Automatikgetriebe sogar unter den kleinen Fahrzeugklassen zunehmend an Bedeutung. Dank der kompakten Bauweise moderner Automatikgetriebe eignen diese sich auch für sehr leichte Fahrzeuge. Der Kleinwagen VW Lupo wurde dank Automatikgetriebe zum Beispiel zum ersten echten Dreiliterauto der Welt.

 

Positive Entwicklungen der Automatik

 

Eine wichtige Entwicklung zu dieser Trendwende zur Vollautomatik ist beispielsweise das Doppelkupplungsgetriebe (DSG), mit welchem der Gangwechsel ohne Zugkraftunterbrechung möglich wird. Statt das Getriebe vollständig auszukuppeln, während ein neuer Gang eingelegt wird, kann mit diesem Getriebe eine ununterbrochene Beschleunigung erreicht werden. Seit dem Jahr 2003 stellt diese Entwicklung von Volkswagen eine wertvolle Erweiterung für alle automatischen und halb-automatischen Fahrzeuge dar. Mit einer kleinen Erweiterung der Doppelkupplungstechnik führte Audi sein System S-Tronic ein. Dieses war erstmals auch für differenzialgesteuerte Allradantriebe nutzbar. Das Automatikgetriebe kann seither also auch bei Geländewagen zu einer ununterbrochenen Beschleunigung verhelfen. Auch der Getrag PowerShift, der unter anderem in Fahrzeugen von BMW, Mercedes oder Ferrari eingebaut wird, ist ein solches Doppelkupplungsgetriebe, welches den Einsatz von Automatik-Fahrzeugen wesentlich attraktiver macht. Heutzutage wird an modernen Automatikschaltungen mit Doppelkupplung getüftelt, die bis zu zehn Gänge haben. 2017 will der Volkswagen Konzern seine Mittelklasse und Oberklassemodelle mit eben jenem Automatikgetriebe mit Doppelkupplung sowie zehn Gängen auf den Markt bringen. Das neue Automatikgetriebe soll dadurch den Fahrkomfort durch Verbesserungen im Antriebsstrang erhöhen und den Spritverbrauch bis zu 20 Prozent senken. Automatik oder Schaltgetriebe ist damit auch für sportliche Fahrer zu einer wichtigen Entscheidung geworden.

 

Was müssen Hersteller auf dem Weg zur spritsparenden automatikgetriebenen Zukunft optimieren?

 

Die EU-Verordnung zur Verminderung des CO2-Ausstoßes sieht ab 2020, spätestens bis zum Jahr 2024, einen Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw vor. Das entspricht nur 4,1 Liter Benzin oder 3,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Diese EU-Verordnung zwingt die Hersteller zum Handeln. Abgerechnet wird im Flottenmodus. Abweichungen vom Grenzwert können drastische Strafzahlung nach sich ziehen. Um die vorgeschriebenen Spritsparziele zu erreichen, ist ein vielstufiges Automatikgetriebe daher unerlässlich. Crawler werden dabei vermehrt eine Rolle spielen. Bei Crawlern handelt es sich um Gänge mit extrem großer Übersetzung, die eine sehr hohe Zugkraft gewährleisten und sogar für langsam fahrende Geländefahrzeuge geeignet sind.

 

Vermeidung von Fahrfehlern

Automatik oder Schaltgetriebe? Infografik über Kaufverhalten der autohaus24 Kunden

Zahlreiche Getriebeschäden entstehen bei herkömmlicher Schaltung oftmals durch Fehler des Fahrers. Ist die Kupplung beim Einlegen des Ganges nicht richtig gedrückt, hört man einen unverkennbaren „Gruß vom Getriebe“. Kommen Fahrfehler dieser Art häufiger vor, verstärkt dies den Verschleiß. Auch durch Fahrten in zu hohen oder zu niedrigen Drehzahlen wird das Getriebe stark beansprucht. All diese Probleme werden mit einer gut eingestellten Automatik vermieden. Zuletzt bleibt noch der Vorteil, dass ein Automatik-Fahrzeug nicht abgewürgt werden kann. Wer zum Beispiel im Stadtverkehr mit häufigem Abbremsen und Anfahren gleichzeitig nach dem Weg suchen muss, fährt dank Automatik wesentlich entspannter und konzentrierter. Die Frage, ob man ein Automatik- oder Schaltgetriebewagen kaufen soll, kann durch die zunehmende Weiterentwicklung der Technik immer deutlicher zugunsten der Automatik beantwortet werden.