Ratgeber

Versicherungen für Führerscheinneulinge

Juni 2015, © autohaus24

Für Fahranfänger kostet die Kfz-Versicherung des eigenen Autos oft nicht viel weniger als der ganze Wagen. Zumindest dann, wenn er die regulären Tarife nutzt. Wer sparen will, sollte Rabatte aushandeln und vergleichen.

 

Oft steht nach der bestandenen Führerscheinprüfung nur ein begrenztes Budget für das erste eigene Auto zur Verfügung. Trotzdem muss es unkapriziös und wirtschaftlich sein. Gerade gegenüber Fahranfängern geben sich Assekuranten oft wenig kulant und kassieren ordentlich ab. Grund für die deftigen Prämien ist die ungünstige Schadensfreiheitsklasse – unter Fachleuten SF-Klasse genannt. Der Versicherte wird nach seinen unfallfreien Jahren eingestuft, daraus ergibt sich der Rabatt auf seine Grundprämie. Fahranfänger fangen mit der Schadensfreiheitsklasse 0 an. Daraus ergeben sich 230 Prozent der möglichen Versicherungsprämie. So zahlt der 18-jährige für seinen VW Golf allein 1.500 Euro für die Haftpflichtversicherung. Welcher Jugendliche kann das schon bezahlen?

 

Oftmals springen hier die Eltern großzügig ein. Ist der Wagen des Sohnes oder der Tochter als Zweitwagen angemeldet, kann Einstieg mit SF-0 umgangen werden. Zweitwagen werden grundsätzlich mit SF- ½ (140 Prozent) oder günstiger eingestuft. Wenn der Zweitwagen dann auch noch unfallfrei bleibt, winken weitere Vergünstigungen. Der kann sogar später auf den Nachwuchs übertragen werden, wenn er das Auto mal auf sich anmelden und versichern lassen möchte.

 

Weitere Vergünstigungen locken, wenn die Schadensfreiheitsklasse von einem Versicherungsnehmer auf einen anderen übertragen wird. Das geht unter anderem bei Verheirateten und Verwandten. Dabei kann aber nur so viel Rabatt übertragen werden, wie der Übernehmende selber hätte erreichen können. Wenn der Jüngling beispielsweise erst drei Jahre im Führerscheinbesitz, kann ihm sein Vater maximal SF-Klasse 3 überlassen. Auch wenn dieser mit SF-Klasse 25 versichert ist. Um diese Variante überhaupt nutzen zu können, muss der Fahranfänger also über mindestens sechs Monate Fahrpraxis verfügen. Statt in SF-Klasse 0 könnte er dann in SF-Klasse ½ eingestuft werden. Immerhin! Notfalls muss ein Fahrer mindestens drei Jahre im Besitz einer Fahrerlaubnis sein, um bei der Kfz-Versicherung mit SF-Klasse ½ zu starten.

 

Günstige Prämien zu übertragen, ist jedoch nicht frei von Nachteilen: Wer seine SF-Klasse verschenkt, kann den Rabatt nicht mehr für sich beanspruchen. Lukrativer ist es deshalb, wenn Großeltern ihre Rabatte an ihre Enkel übertagen. Und zwar dann, wenn sie ein Auto haben, aber nicht mehr fahren möchten oder können. Nach spätenstens sieben Jahren verfällt der Schadensfreiheitsrabatt. Hinweis: Wer sich umfassend informiert und die Regeln zur Prämienübertragung kennt, kann viel Geld sparen. Oft verlangt der Versicherer, dass die Verwandtschaft das gleiche Haus bewohnt.

 

Wie hoch der Beitrag letztendlich ausfällt, darüber entscheidet auch der Fahrzeugtyp. Die Wahl des Autos und die Beitragsgestaltung des Assekuranten haben Einfluss auf die Höhe der Prämie. Versicherungen stufen Autos nach ihrer Unfallbilanz in Typenklassen ein. Umso mehr Schäden ein Typ verursacht, desto teuerer wird er kategorisiert. Und desto höher fällt die Prämie aus. Die typischen Anfängerautos fallen deshalb oft in ungünstige Typklassen. Will der Junior aber trotzdem die Nebenkosten gering halten, sollte die Typklasse beim Kauf eine Rolle spielen. Als Stütze kann das Typklassenverzeichnis dienen, zu finden unter www.typklassen.de. Folgendes sollte beachtet werden: Die Typklassen sind absolut verbindlich, alle anderen Tarifmerkmale sind dagegen von Versicherer zu Versicherer unterschiedlich. Nur so sind die großen Preisdifferenzen im direkten Anbietervergleich zu verstehen. Krass: Ein VW Golf kostet einen 18-jährigen beim kulantesten Versicherer knapp 1.600 Euro, beim Teuersten degegen rund 7.600 Euro! Dafür gibt es einen nagelneuen Dacia Logan. Irre! Im direkten Vergleich, beispielsweise mit einem Prämienrechner, liegt also das größte Sparpotential. Vor allem für Anfänger.