Ratgeber

Unfallvermeidung durch Fahrerassistenzsysteme

September 2016, © autohaus24

Erfreulicher Trend: Weniger Verkehrstote und Schwerverletzte bei Autounfällen dank technischen Weiterentwicklungen. Vor allem Fahrassistenz- und Fahrsicherheitssysteme leisten einen wesentlichen Beitrag bei der Verbesserung und Korrektur des menschlichen Fehlverhaltens. Obwohl im Jahr 2013 mit 3339 Verkehrsunfalltoten der niedrigste Stand seit 1950 erreicht wurde, zeigen aktuelle Statistiken, dass die Zahl der Verkehrstoten seither bereits das zweite Jahr in Folge angestiegen. Im Vergleich zu 2014 nahm die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2015 sogar um ganze 2,9 Prozent zu. Auch die Anzahl an Personen, die aufgrund eines Verkehrsunfalls leicht oder schwer verletzt wurden, erhöhte sich im Jahr 2015 um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf etwa 393.700 Verletzte.1 Unachtsames Verhalten des Fahrers gehört neben überhöhter Geschwindigkeit und Alkohol am Steuer zu den größten Unfallursachen.

Statistik: Alkoholisierte Beteiligte PKW-Fahrer an Unfällen

Was sind Fahrerassistenzsysteme?

 

Fahrerassistenzsysteme (kurz: FAS) unterstützen den Fahrer von Kraftfahrzeugen. In bestimmten Fällen übernehmen solche Systeme sogar ganz die Aufgaben des Fahrers. Die Fahrerassistenzsysteme werden gemeinhin über ein Computersystem mit Eingabe- bzw. Ausgabegeräten gekoppelt, um ihnen den Zugriff auf ausgewählte Fahrzeugfunktionen und –Komponenten zu gewähren. Grundsätzlich soll durch den Einsatz von Fahrerassistenzsystemen nicht nur die Fahrsicherheit erhöht, sondern auch der Fahrkomfort gesteigert und die Effizienz optimiert werden. Der Vorteil: Viele Assistenzsysteme können bei persönlichem Bedarf aktiviert werden. Außerdem besteht bei einigen Systemen die Möglichkeit der temporären Deaktivierung durch den Fahrer. Eine manuelle und individuelle Steuerung der elektronischen Zusatzeinrichtungen in Kraftfahrzeugen ist so unnötig.

 

Welche Fahrerassistenzsysteme gibt es?

 

Einige Beispiele für Fahrerassistenzsysteme sind das Antiblockiersystem (ABS), das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) sowie die Intelligent Speed Adaption, eine Scheibenwischer- und Lichtautomatik. Weitere FAS sind: die Verkehrszeichenerkennung, die elektrische Feststellbremse, der (Not-)Brems- und Stauassistent sowie der Tempomat und Abstandswarner, elektronische Einparkhilfen und Spurwechselassistenten.

 

Folgende Liste der Fahrerassistenzsysteme gibt eine übersichtliche Zusammenfassung welche Systeme derzeit existieren:

 

 

FahrerassistenzsystemBeschreibung

Abstandsregelung Adaptiv Cruise

Control (ACC)

Hält dauerhaft den gewünschten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug; Wenn sich kein Hindernis vor einem befindet beschleunigt das Auto auf die eingegebene Geschwindigkeit

Elektronisches Stabilitätsprogramm

(ESP)

Hilft gegen Unter und Übersteuern; Bremst einzelne Räder ab und greift in die Motorleistung ein, um das Fahrzeug auch in schwierigen Situationen zu stabilisieren. Das ESP enthält ein Anti-Blockier-System (ABS) und die Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR)
Notbremsassistent mit Personenerkennung/ City SafetyCity Safety erkennt Personen bis zu einer Geschwindigkeit von 30km/h, gibt ein Warnsignal aus und bremst bei Bedarf. Modernere Assitenten können Fußgänger auch bis 50km/h erkennen Spurverlassenswarnung/SpurhalteassistentWarnt beim verlassen der Spur mit optischen/akustischen Signalen; teilweise lenkt das Auto auch leicht gegen.
Spurwechselassistent/Totwinkel-AssistentWird aktiviert sobald der Blinker genutzt wird; Warnt den Fahrer vor einer drohenden Kollision beim verlassen der Spur.

Spurverlassenswarnung/

Spurhalteassistent

Warnt beim verlassen der Spur mit optischen/akustischen Signalen; teilweise lenkt das Auto auch leicht gegen.
MüdigkeitserkennungDas Auto erkennt Müdigkeitsanzeichen und warnt den Fahrer
Fernlicht-AssistentAutomatisches Auf- und Abblenden des Fernlicht, um entgegenkommende Fahrer nicht zu blenden
Einpark-AssistentSensoren führen eine Abstandsmessung durch und berechnen den perfekten Weg in die Parklücke und heraus
ReifendrucküberwachungDauerhafte Überwachung des Reifendrucks
Geschwindigkeitslimit-AssistentErkennt Temposchilder und zeigt das Tempolimit anVerkehrszeichenerkennungErkennung aller gängigen Verkehrsschilder. Verkehrszeichen werden auf dem Display angezeigt

Unfallerkennung/

Insassenschutz

Auto bereitet sich auf einen Unfall vor: Aufrechte Sitzposition, Fenster werden geschlossen, Gurte gestrafft, Bremse aktiviert
SprachsteuerungSteuerung aller wichtigen Befehle über eine Spracherkennungssoftware

 

Generell kann man diese große Anzahl an Fahrerassistenzsystemen auf vier wesentliche Gruppierungen eingrenzen:

 

ABS und ESP – Diese zwei Fahrerassistenzsysteme sollte jedes Auto haben!

 

Das Anti-Blockier-System (ABS) ist eine elektronische Bremshilfe, die das Blockieren der Räder beim Bremsen verhindert. Seit Juli 2004 serienmäßig in allen Modellen europäischer Hersteller verbaut, wirkt das ABS blockierenden Rädern durchschnittlich circa zehn Mal pro Sekunde entgegen. So bleibt das Auto trotz maximal möglicher Bremswirkung voll lenkfähig und der Bremsweg reduziert sich deutlich. Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) unterstützt Fahrzeuge bei schlechten Fahrbahnen und Wetterbedingungen. Dabei soll das Ausbrechen des Fahrzeugs in fahrdynamisch kritischen Situationen durch einen gezielten Eingriff in das Brems- oder Motormanagement verhindert werden.

 

Bremsassistenzsysteme – größtmögliche Verzögerung der Bremsanlage innerhalb weniger Millisekunden:

 

Auffahrwarnassistenten oder Notbremssysteme unterstützen den Fahrer beim Bremsvorgang. Bremsassistenzsysteme bieten deshalb ein hohes Unfallvermeidungspotential. Der Bremsassistent (BAS) gilt als Weiterentwicklung des Anti-Blockier-Systems (ABS). Zu spätes oder zu zaghaftes Bremsen sind oftmals Ursachen für Verkehrsunfälle. In Notfallsituationen sind Autofahrer oft überfordert. Bremsassistenzsysteme dienen in solchen Situationen und Notfällen als Bremskraftverstärker und halten den Bremsweg so kurz wie möglich. Der Fahrer bekommt eine elektronische Unterstützung. Bei Gefahrbremsungen funktioniert die Technik wie eine Art zusätzlicher Fuß, welcher das Bremspedal mit zusätzlichen Druck tritt.

Das Resultat: Eine erhöhte Bremskraft und somit ein verkürzter Bremsweg. Je nach Druck und Schnelligkeit, mit der das Bremspedal getreten wird, erkennt der Bremsassistent eine Notfallsituation und gibt automatisch die volle Bremsleistung frei. Selbstverständlich bleibt der BAS beim normalen Bremsen inaktiv. Dadurch wird eine Komfortbremsungen möglich und gleichzeitig wird der Fahrfluss nicht beeinflusst. Erst im Falle eines Notfalls greift der Bremsassistent ein und ermöglicht die Gefahrbremsung.


Spurwechsel- und Spurhalterassistenzsysteme – Bevormundung oder elektronischen Schutzengel?:

 

 

Fahrzeuge mit eingebautem Spurhalte- und Spurwechselassistent unterstützen den Fahrzeugführer dabei die Spur zu halten und diese gegebenenfalls sicher zu wechseln. Bei Gefahr wird der Fahrer durch ein optisches und/oder akustisches Signal gewarnt. Wichtig: Einigen Fahrzeugmodellen muss vorher mitgeteilt werden, dass ein Spurwechsel ansteht, weshalb das Warnsignal oftmals erst bei Aktivierung des Blinkers angezeigt wird. Im Zweifelsfall sollten Sie die Bedienung der Fahrerassistenzsysteme im Fahrzeughandbuch nachlesen.

 

Interessant ist, dass das Fahrzeug mithilfe von Sensoren sowohl die Entfernung als auch die Geschwindigkeit von herannahenden Fahrzeugen bestimmen kann und somit den toten Winkel überwachen und bei Bedarf warnen kann. Das gibt nicht nur dem Fahrzeugführer ein verbessertes Sicherheitsgefühl, sondern auch allen anderen Verkehrsteilnehmern, welcher aufgrund ihrer fehlenden Breite gerne übersehen werden.

 

Parkassistenzsysteme – Aktive Unterstützung beim Einparkprozess:

 

Die am weitesten verbreiteten Fahrerassistenzsysteme sind die Parkassistenten, welche beim täglichen Einparken helfen und Schrammen am eigenen Fahrzeug und an anderen Autos vorbeugt. Fahrer-unterstützende Assistenzsysteme, die den Einparkprozess erleichtern, reichen von kompletten Parkassistenzsystemen, welche nicht nur die Parkplatzsuche erleichtern und das Einparken durch ein selbstlenkendes System wie von Zauberhand möglich machen, sondern auch zu simplen aktiven Einparksystemen. Diese basieren häufig auf Radartechnik (ACC) oder Ultraschall (Parktronic, Park Distance). Zusätzlich sorgen neue Rückfahrkameras mit Hilfslinien im (farbigen) Display, Side View-Kamerasysteme und Surround View-Systeme (Nissan, BMW & Volkswagen) für zusätzliche Sicherheit und Orientierung beim Einparken.

 

Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme

 

In den letzten 10 Jahren steigerte das hohe Innovationstempo der elektronischen Schutzengel das Interesse der Automobilbranche. Trotzdem solche Systeme für die Mobilität nicht essentiell von Notwendigkeit sind, war die Fahrerassistenz schon immer ein Entwicklungsziel der Automobilhersteller, um den Autofahrer zu entlasten und diesen aktiv wie passiv zu unterstützen. Unterschieden wird allgemein zwischen Fahrerassistenzsystemen, die zur Vermeidung von kritischen Situationen beitragen und solche, die als reine Handlungsassistenten Notsituationen dienen. Vor allem in den 1990er Jahren wurden viele Fahrerassistenzsysteme, u.a. die auf Ultraschall basierende Einparkhilfe, das ESP sowie Bremsassistenten, das Navigationssystem und Adaptive Cruise Control eingeführt. In Vergessenheit geraten sind hingegen das Tachometer, mit dessen Einführung man erstmals objektiv die Fahrgeschwindigkeit ablesen konnte. Der Anlasser ersetzte das Ankurbeln des Motors vor dem eigentlichen Fahrantritt, die Getriebeautomatik vermehrt die Gangschaltung, der Tempomat, der den Fahrer beim Halten der Geschwindigkeit unterstützt sowie das ABS und das ASR, welche in fahrdynamisch kritischen Situationen das Auto stabil halten. Viele dieser einst entwickelten und eingeführten Assistenzsysteme wurden mit der Zeit standardisiert und gehören zur Grundausstattung eines jeden Fahrzeugs. Die Innovationsflut und Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme belegen den bis heute ungebrochenen Entwicklungstrend bzw. Innovationsdrang der elektronischen Schutzengel. Das Ziel: Die Schaffung eines (autonomen) unfallvermeidenden Fahrzeugs durch rechtzeitiges Eingreifen durch das System selbst oder durch den frühzeitig informierten Autofahrer. Störfaktoren sollen mittels Fahrerassistenzsysteme minimiert und die Reaktionsgeschwindigkeit optimiert werden.2

 

Von der Unfallanalyse bis hin zur Markteinführung – 4 Schritte zum ausgereiften Fahrerassistenzsystem

 

Heutzutage bieten die Fahrerassistenzsysteme eine Fülle an aktiven und passiven Unterstützungsmöglichkeiten, die maßgeblich zur Verbesserung des Fahrkomforts und zur Sicherheit beitragen. Die Entwicklung solcher Fahrerassistenzsysteme erfolgt nach einer Prozesskette, welche sicherstellen soll, dass neu entwickelte Systeme auch tatsächlich den Kundennutzen erfüllen und die Bedienbarkeit so innovativ wie möglich gestaltet ist. Nach einer systematischen Defizitanalyse im Fahrer-Fahrzeug-Umfeld durch die Analyse des Realunfallgeschehens (Unfalldatenanalyse) folgt der Ideenfindungsprozess, dessen Bewertung inklusive erster Akzeptanzeinschätzung sowie die Entwicklungspriorisierung mittels auf die Unfalldatenanalyse aufbauende Feld- und Fahrsimulatoruntersuchungen. Die Entwicklung selbst folgt in enger Zusammenarbeit mit den Zulieferern. Die zu erwartenden Sicherheits- und/oder Komfort-Vorteile sollen trotz zu erwartender Funktionsgrenzen ermöglicht werden. Jürgensohn und Timpe betonen, dass an dieser Stelle des Prozesses die Mensch-System-Interaktion von zentraler Bedeutung für die Entwicklung ist.3

Abbildung: Methodik Untersuchung
Abbildung: Methodik Untersuchung

Ein Beispiel aus der Praxis ist die Entwicklung des Notbrems- und Auffahrwarnsystems.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) unterzog die testreifen Notbrems- und Auffahrwarnsysteme im Testfahrzeug EVITA, entwickelt von der Technischen Universität Darmstadt und Honda, in Zusammenarbeit mit den fünf Autoherstellern Audi, Honda, Mercedes, Volvo und VW einem ausführlichem Praxistest. Das Testfahrzeug EVITA ermöglicht praxisnahe Fahr- und Bremsversuche. Das Resultat: Trotz ihrer zum Teil recht unterschiedlichen Auslegung, warnen die entwickelten Systeme den Fahrer wirksam und können eine zögerliche Bremsung mit Hilfe des Notbremsassistenten in eine Notbremsung steigern.

 

Vor- und Nachteile von Fahrerassistenzsystemen

 

Mittlerweile bietet fast jeder Hersteller Fahrerassistenzpakete an. Die Signalwarnungen oder Lenkeingriffe unterscheiden sich jedoch stark voneinander. Oft wirken die aktiven Lenkeingriffe noch etwas grobmotorisch und nur bei einigen Oberklassemodellen harmonisch. Kritisiert wird bei vielen Herstellern zudem die fehlende intuitive Bedienung der Funktionen über den Bordcomputer. Ob Vibration, akustische oder optische Warnung – Bei einer Probefahrt sollte man daher beherzt die Fahrerassistenzsysteme prüfen und selbst einschätzen, ob einem die Warnungen zu stark oder schwach erscheinen bzw. gar nerven. Oftmals sind gerade Fahrerassistenzsysteme, die aktiv in das Lenkgeschehen eingreifen noch eher fehlerhaft in der Situationserkennung und der selbstständigen Lenkung oder gar zu bevormundend in ihrem Eingriff. Durch die Fehlerhaftigkeit und dem Risiko des Elektronikausfalls sollte man also trotz weiterentwickelter Fahrerassistenzsysteme während der Fahrt aufmerksam bleiben und sich nicht allein auf diese verlassen.

 

Unfallvermeidung durch Fahrerassistenzsysteme – Zahlen und Fakten

 

Die Vermeidung schwerer Verkehrsunfälle durch automatische Notbremsassistenten hat laut der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ein Potential von 12 Prozent.5 Neben dem Elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) sind Notbremssysteme und Auffahrwarner somit diejenigen Fahrerassistenzsysteme, welche das höchste Unfallvermeidungspotential bieten. Aus Sicht der Hersteller, wie aus Sicht der Unfallforschung ist eine flächendeckende Einführung solcher Fahrerassistenzsysteme in allen Fahrzeugklassen ein Schritt in die richtige Richtung. Zwar sind bereits gut ein Viertel aller Neuwagen mit einem oder mehreren Fahrerassistenzsystemen ausgestattet6 , leider bedeutet das im Umkehrschluss aber auch: Knapp dreiviertel aller Neuwagen haben außer den gesetzlich vorgeschriebenen keinerlei Fahrerassistenzsysteme verbaut. Hinzu kommt, dass viele Automobilhersteller Fahrerassistenzsysteme nicht als Teil der Grundausstattung ansehen, sondern diese nur gegen Aufpreis anbieten.

 

Die Umfrageergebnisse der Kampagne „bester beifahrer“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) zeigen, dass deutlich mehr Männer (16 Prozent) die Unterstützung durch FAS in Anspruch nehmen als Frauen (7 Prozent). Insgesamt nutzen im Schnitt nur circa 22 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer den Sicherheitsvorteil durch solche Systeme.7 Allerdings sollte man diese Zahlen mit dem Hinweis relativeren, dass weibliche Autokäufer im Schnitt unabhängig von Hersteller und Fahrzeugklasse weniger Geld in ihren Neuwagen und dessen Zusatzausstattung investieren als männliche Autokäufer.

 

Welche Fahrerassistenzsysteme im Auto werden nur selten bzw. am meisten genutzt?

Übersicht Nutzumgshäufigkeit Fahrassistenzsysteme von J.D. Power

Die Studie “Driver Interactive Vehicle Experience” (DrIVE) des Marktforschungsinstituts J. D. Power stellte unlängst fest: Assistenz- und Sicherheitssysteme im Auto werden selten genutzt. Ob elektronische Einparkhilfe, Notbremsassistent, Navigationssystem oder Regensensor – Moderne Neuwagen sind oft mit einer Vielzahl an Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet. Doch viele dieser Hilfssysteme werden von den Autofahrern zu selten oder überhaupt nicht genutzt.

 

Die Untersuchungsergebnisse zeigen: Rund ein Fünftel aller Neuwagen-Besitzer nutzt über die Hälfte aller verbauten technologische Systeme niemals oder nicht „bewusst“! J. D. Power untersuchte in der Studie 33 verschiedene, in Neuwagen integrierte elektronische Systeme, darunter beispielsweise eingebaute Navigationsgeräte, Einparkhilfen, Tempomaten und Abstandswarner, Apps und WLAN-Hotspots. Das Fazit: Einige Technologien erfreuen sich großer Beliebtheit unter den Neuwagen-Fahrern. Andere Assistenzsysteme im Auto wie das Navigationssystem und aktive Einparkhilfen werden von durchschnittlich 36,5 Prozent der Studienteilnehmer kaum benutzt. Wiederum sind virtuelle Assistenten, wie bspw. sogenannte „Concierge“-Systeme dagegen nahezu komplett überflüssig. Der Grund: Die benötigten Funktionen erfüllen laut Einschätzung der Befragten bereits die mitgeführten Smartphones oder Tablets. Interessant ist, dass sich diese Tendenz auf ältere wie junge Neuwagenverkäufer anwenden lässt.

Insgesamt 14 Systeme im Auto sind nach Meinung eines Fünftels der Befragten so überflüssig, dass die Befragten im nächsten Neuwagen sogar bevorzugt auf diese verzichten würden.

 

Für die spätere Nutzung der Fahrerassistenzsysteme spielt zusätzlich eine vorherige praktische Einführung des Autohändlers in die Funktionen sowie etwaige Bedienungshinweise bei Aushändigung des Autos eine zentrale Rolle.

 

Die klassischen Sicherheitssysteme im Auto zählen zu den meist genutzten technologischen Extras moderner Neuwagen. Die Mehrheit der Befragten nutzt vor allem den Parkassistenten (23 %), den Spurhalte- (15 %) und Spurwechselassistent (13 %) den Müdigkeitswarner und Notbremsassistent (je 13 %).8 Tote-Winkel-Warner und das sogenannte intelligente Geschwindigkeitsassistenzsystem (ISA), sind außerdem sehr beliebt, weil Sicherheitssysteme wie diese die Fahrsicherheit sinnvoll erhöhen.


Aktueller Verkaufstrend der Fahrerassistenzsysteme bei autohaus24:

Beliebteste fahrassistenzsysteme

Die Analyse unserer vermittelten Neuwagen zeigt eine klare Tendenz: Die Bremsassistenzsysteme sind mit 95,60 Prozent das meist gewählte Fahrerassistenzsystem unserer Kunden. Danach folgen mit einer Verbreitung von 82,10 Prozent die Parkassistenzsysteme. Noch etwas abgeschlagen sind die Spurwechsel- und Spurhalteassistenzsysteme mit nur 21,20 Prozent. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Standartausstattung vieler Fahrzeugmodelle meist bereits einen Brems- oder Parkassistenten beinalten, dennoch haben wir diese zur Erhebung hinzugezogen, weshalb eine genaue Trennschärfe zwischen Grund- und Zusatzausstattung mitunter nicht gewährleistet ist. Allerdings lässt sich eine Trendentwicklung bei den Autobauern erkennen. Fahrerassistenzsysteme gehören zunehmend zum Standard in der Automobilindustrie und verursachen meist nur noch geringe monetäre Aufschläge auf den Kaufpreis. Interessant ist auch, dass bisher nur etwa 15 Prozent der Neuwagenkäufer bereit sind, für sicherheitsrelevante Fahrerassistenzsysteme (FAS), die nicht zur Serienausstattung gehören, Geld auszugeben.9 Besonders beliebt sind der Parkassistent und der Notbremsassistent. 

Deutschen Verkehrssicherheitsrates

Erstaunlich ist, dass 77 Prozent der Befragten laut einer Studie des Deutschen Verkehrssicherheitsrates beim nächsten Neuwagenkauf eher oder ganz sicher einen Notbremsassistenten wählen würden. Mit 65 Prozent Wiederwahl punktet aber auch der Parkassistent beim Thema Kauf von Sicherheitsauasstattungen.10

 

Zukunft der Fahrerassistenzsysteme – Ein Ausblick:

 

In Zukunft sollen sich Autos immer mehr zu autonomen Fahrzeugen entwickeln. Studien zu Folge denkt man bereits über Fahrzeuge nach, die Ausweichmanöver vollautomatisch vollziehen. Die Schwierigkeit sehen Experten hierbei aber an der exakten Situationserkennung und Gefahrpotentialeinschätzung. Es hapert an interdisziplinären Lösungen und einem gemeinsamen technischen Standard zwischen Herstellern und Zulieferern.

 

Unabhängig der autonomen Autos plant die EU Sicherheitssysteme im Auto für Neuwagen vorschreiben. Laut einer aktuellen Studie der EU sollen Fahrerassistenzsysteme – unter diesen der intelligente Geschwindigkeitsassistent und der Notbremsassistent – zukünftig zur Serienausstattung eines jeden Neuwagen gehören. Schätzungen zu Folge ließe sich die Zahl der Verkehrstoten von derzeit jährlich 26.000 sehr effektiv senken. Bereits für Ende des Jahres wird in der Autobranche eine entsprechende Überarbeitung der EU-Regelungen zur Fahrzeugsicherheit erwartet.

Quellen:

2 Vgl. Winner, H. (2002): Fahrerassistenzsysteme – Stand der Technik und Ausblick. Darmstadt:

3 Vgl. Jürgensohn, T. und Timpe, K.-P. [Hrsg.] (2001): Kraftfahrzeugführung. Berlin, S. 70ff.

4 Vgl. Jürgensohn, T. und Timpe, K.-P. [Hrsg.] (2001): Kraftfahrzeugführung. Berlin, S. 70ff.

6 Vgl. Ergebnis einer Umfrage der Kampagne „bester beifahrer“ des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR)